Musik verfolgter Komponisten lebt wieder auf

Wolfgang Günther, Solinger Tageblatt vom

Musik verfolgter Komponisten lebt wieder auf

Im Zentrum für verfolgte Künste trat am Freitagabend auch der Chor der Bergischen Symphoniker auf.

Das Zentrum für verfolgte Künste in Gräfrath und die Bergischen Symphoniker wollen auf Dauer kooperieren.

Im Solinger Zentrum für verfolgte Künste wird unter anderem an jene bildenden Künstler und Literaten erinnert, die in den 1930er Jahren vor Verfolgung fliehen mussten oder ermordet wurden. „Aber auch Komponisten wurden damals verfemt und bedroht“, erklärt der Direktor Jürgen Kaumkötter. Daher gründete das Zentrum jetzt eine Kooperation mit den Bergischen Symphonikern, um diese Musik in Konzerten wieder aufleben zu lassen. Kaumkötter betonte, dass die Zusammenarbeit zwischen Zentrum und Orchester auf Dauer angelegt ist.

Die erste Veranstaltung der neuen Zusammenarbeit stand am Freitagabend unter dem Titel „Verstummte Klänge leben“. Dazu kamen am Freitagabend der Chor der Bergischen Symphoniker, geleitet von Stephanie Schlüter sowie ein Kammermusik-Quartett des Orchesters in den Meistermann-Saal. Sie sangen und spielten Musik aus jenen Werken verfolgter Komponisten, die erst langsam wieder entdeckt werden.

Komplettiert wurde das Programm durch einen Fachvortrag des Musikwissenschaftlers Volker Ahmels. Er ist Leiter des Zentrums für Verfemte Musik an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock. Ahmels zog einen großen Bogen zwischen jenen Komponisten, die in Israel Zuflucht fanden, und den zahlreichen Tonkünstlern, die im Exil Hollywood mehr oder weniger erfolgreich waren.

Beispielhaft ist die Geschichte des Münchners Paul Frankenburger. Er emigrierte nach der Machtergreifung der Nazis 1933 nach Israel, nannte sich dort Paul Ben-Haim und wurde zum Schöpfer der modernen israelischen Musik. Am Freitag sang der Chor der Bergischen Symphoniker seine Vertonung des Psalms 121.

Deutsche Komponisten bereicherten Hollywood

Volker Ahmels hatte nicht nur Tonbeispiele der Musik von Erich Zeisl und Hanns Eisler dabei, er zeigte auch Ausschnitte aus Hollywood-Filmen, in denen die Musik der Emigranten zum Erfolg beigetragen hat. Erich Wolfgang Korngold ist der erfolgreichste Komponist aus dieser Riege. Auch Daniel Huppert freut sich auf die musikalische Kooperation mit dem Zentrum. Am Freitagabend war der neue Generalmusikdirektor der Symphoniker zwar verhindert, aber schon vorher hatte er seine Meinung veröffentlicht: „Es liegt mir am Herzen, mit den zukünftigen Konzerten ein vielschichtiges Repertoire zu präsentieren, das bisher nicht unbedingt zum Standard gehörte, aber zur Reichhaltigkeit unserer Kultur beiträgt.“

Volker Ahmels erzählte auch in wenigen Worten über das Schicksal jener Komponisten, die aus der Emigration zurückkehren konnten. Wie einige Schauspieler konnten auch die Komponisten nicht immer Fuß fassen, Heimkehrer wurden oft gemieden, und sogar als Landesverräter bezeichnet.

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